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GIGUK 2010 – CALL FOR VIDEOART TEILNAHMEBEDINGUNGEN KATEGORIEN Aus den Einsendungen wählt die Prejury 25 Clips und 30 One Minutes für das Festival aus. Die Entscheidung der Prejury wird Ende September per Email mitgeteilt. “GIESSEN QUOTE” EINREICHUNG & TECHNISCHE SPEZIFIKATION EINSENDESCHLUSS: 15. August 2010 -:- Adresse für Einsendungen RECHTLICHES WÜNSCHENSWERTES RÜCKSENDUNG FINANZIELLES Die Jury bewertet die Videos nach folgenden Kriterien: Application Form: ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ GIGUK 2009 Und so wurden die Preise vergeben: Der Publikumspreis bei den One Minutes ging an Charlotte Scheer mit "Ohne Worte" sowie an Scheri Zamankhan mit "I ran in the arms of freedom" in der Kategorie Clips. -:- Statement der Jury "Die Jury traf ihre Wahl aus 43 Arbeiten in der Kategorie "One Minutes" bzw. 25 Arbeiten in der Kategorie "Clips", die ihr (nach der Jury unbekannten Kriterien) vorselektiert aus insgesamt 60 Einsendungen ("One Minutes") bzw. 150 Einsendungen ("Clips") vom Veranstalter zur Verfügung gestellt wurden. Die Ausschreibung zur Teilnahme am Wettbewerb erfolgte ohne Nennung von Kriterien mit Ausnahme der maximalen Länge für Videos in den beiden Kategorien. Entsprechend zeigten sich die gesichteten Arbeiten als so disparat in Sujet, Stil, Machart, Professionalität und technischer Qualität, dass die Auswahl eines einzigen Preisträgers je Kategorie der Jury nicht angemessen schien und jeweils drei Videos ausgezeichnet wurden. Aufgrund der Unterschiedlichkeit war ein entscheidendes Kriterium für die Beurteilung, wie gut die Umsetzung des jedem Video eigenen Konzeptes oder Zieles gelungen war – bzw. dessen, was die Jury als solches in jedem Video zu erkennen meinte. Zusätzliche Informationen über die Arbeiten oder ihre Autor/innen wurden von der Jury nicht hinzugezogen, die Bewertung erfolgte ausschliesslich anhand der Sichtung der Arbeiten. Die Jury benennt folgende Arbeiten für die Preise in der Kategorie "One Minutes": 1. Preis – Eric Hynynen "The Finn" In der Kategorie "Clips" wird der erste Preis geteilt an zwei Arbeiten vergeben, der dritte Preis entfällt: 1. Preis – Scheri Zamankhan "i ran in the arms of freedom" Begründungen Kategorie "One Minutes" 1. Preis – Tiefster nordisch-existentieller Schmerz, das Drama eines Menschen, eines Hundes, eines Volkes in 45 Sekunden – gerade genug Verzögerung, bis man merkt: dieses Video ist zum Schreien komisch. Es ist das, weil ihm gelingt, mit Feingefühl und Genauigkeit im Einsatz einfachster Mittel sowohl das Stereotyp eines Volkscharakters als auch die Methoden der filmischen Inszenierung von Schwermut zu kondensieren. Der Finne, das weiß man im übrigen Europa, trinkt viel, weil alles so dunkel und tragisch ist da oben. Ist man durch mit diesen Sekunden absoluter Verlassenheit, dann lacht man zunächst über Figur und Vorurteil und darüber, wie man beim Betrachten selbst zuerst dem einfachen Reiz der Schwermut erlegen ist. Aber die Qualität der Arbeit geht über das inhaltlich Dargestellte hinaus. Formal operiert sie in Anlehnung an Inszenierungstraditionen des "großen Kinos": in der Wahl der Bildausschnitte, dem Einsatz von Slow Motion und der Kamerafahrt am Ende. Erst dadurch erreicht die Arbeit mit den Spielzeugfiguren eine Qualität und Wirkung, die sich substantiell unterscheidet von der zahlloser, oberflächlich ähnlich erscheinender Videos, wie man sie z.B. auf YouTube findet. Das Video läßt den Betrachter durch seine Feinfühligkeit für die Inszenierung und die Reduktion auf das Nötigste zurück mit der Essenz des Vorgeführten. Deswegen kann man sich "The Finn" immer wieder ansehen, und seine Qualität bleibt. Kategorie "One Minutes" 2. Preis – Charlotte Scheer "Ohne Worte" (Deutschland) "Ohne Worte" modernisiert geschickt einen Stil grafischer Animation, der schon in seinem historischen Vorbild, "Monty Python's Flying Circus", bewusst antiquiert ist, mit videografischen Mitteln. In dieser Kombination kommt beides etwas widerstrebend zusammen, und gerade darin liegt der besondere Reiz dieser Ästhetik. Das Video erzeugt in Bild und Ton einen Strom surrealer Ereignisse, eine rasende Collage, die die Entschlüsselungs- und Deutungslust des Betrachters weckt. Man möchte das Video in seine Stationen zerlegen, um zu erkennen, wie sich seine Teile zum Ganzen verhalten, oder die Frage stellen: „Frau Scheer, wie haben Sie das gemacht?“ – und das wäre keine Frage nach der Technik, sondern eine nach der Umsetzung von Gedanken in laufende Bilder. Kategorie "One Minutes" 3. Preis – "Digital Sculler" entfaltet in einer kurzen Sequenz die mehrfache Wandlung einer Szene durch das Aufschließen ihres Kontextes – visuell des situativen, konzeptionell des von Realität und Virtualität, darüber hinaus vielleicht des der Imagination, sich selber mit gleichmäßigem Schlag auf dem Wasser zu bewegen –, und führt den Betrachter so durch immer neue Bezüge im Gesehenen. Das Video erreicht in seinen Bildern gerade in deren Kühle und Technizität eine bemerkenswerte poetische Qualität; die Musik ist demgegenüber nur eine zu glatte, effektheischende Begleitung. Die Arbeit zeigt einen dramaturgisch genau balancierten Umgang mit dem Zeitrahmen von 60 Sekunden und ein erhebliches Gefühl für einen Rhythmus, der gerade im Gleichmaß des Fortschreitens der Minute den kraftvollen Takt der Ruderer aufnimmt und so die Spannung zwischen deren Energie und der Ruhe der Gesamtsituation hält. Die Jury bemängelt ausdrücklich die Texteinblendung am Schluß, die der Kraft der (audio)visuellen Inszenierung der Arbeit durch das Hinzufügen eines unnötigen und bedeutungsschwangeren Elementes nur schadet (das zudem auf längst erledigte Diskurse verweist). Kategorie "Clips" 1. Preis – Auf den ersten Blick setzt "i ran in the arms of freedom" nur einige eindeutige, abgenutzte Symbole politischer Kritik mit ungehobelten Schnitten und simplen Effekten ins Bild – und schliesst gerade in dieser Kombination beidem Potentiale auf, die alle Jurymitglieder überrascht haben. Dadurch, dass man beim Betrachten in ein Pendeln zwischen Deutlichkeit der Aussage und Sprödigkeit seiner Machart gelangt, erreicht das Video über seinen inhaltlichen Bezug hinaus eine universellere ästhetische Qualität. Das gelingt auch, weil sich hinter der rohen Machart immer wieder ein hohes Rhythmusempfinden in der Komposition der Loops und Sequenzen zeigt. So eingesetzt, verweisen die verwendeten Gesten und Bilder über ihre unmittelbare Symbolik hinaus auch darauf, dass sie im "alltäglichen" Protesteinsatz zumindest in der westlichen Welt längst zu bleichen Abziehbildern geworden sind. Das Video problematisiert damit auch gängige Formen des Protestierens. Seine konkrete Botschaft tritt dadurch nicht nur nicht zurück; durch diese Transformation abgenutzter Symbole verleiht es ihnen erst Recht neues Gewicht. Mit seinem ungefilterten Ton der isolierten Aufnahmesituation und der bildlich kontextlosen Darstellerin unterstreicht "i ran in the arms of freedom" zudem, dass es sich um ein artifizielles Medien-Werk handelt, und verweist damit auf die Relativität zwischen medialen Darstellungen und realen Ereignissen. Aufgrund der Machart sind Mängel in der Produktion in den Gesamteindruck integrierbar und beeinträchtigen ihn nicht wesentlich; eine technisch bessere Qualität in der Erstellung des Ausgangsmaterials hätte dem Video dennoch gut getan. Die Jury konnte sich auf dieses Video nicht als alleinigen Träger des 1. Preises einigen, weil eines ihrer Mitglieder eine so herausgehobene Position angesichts des eindeutigen und auf konkrete Umstände (Iran) bezogenen polit-agitatorischen Charakters der Arbeit nicht angemessen fand. Kategorie "Clips" 1. Preis – "Chinese Wedding Dancer" generiert unvermutete visuelle und auditive Qualitäten aus wenigen Sekunden eines absolut trivialen Videomaterial – einem für den Anlass einer Hochzeit typischen, von ästhetischem Bewusstsein oder handwerklichen Kenntnissen völlig unbelasteten Produkt. Mit dem mechanischen Anwenden einer absolut simplen Looptechnik schafft das Video eine quälend-faszinierende Ästhetik, die nach einer Gewöhnungsphase auch eine hypnotischen, meditativen Qualität entfaltet. Die in Partikel zerlegte Bewegung kommt in einen eigenen Fluss, der dem der ursprünglich gefilmten, organischen Bewegung geradezu entgegengesetzt ist. Bemängelt werden von einzelnen Jurymitgliedern Ungenauigkeiten in der Auswahl der zugrundeliegenden Videosequenz sowie technische Defizite, die trotz ihres "konzeptionellen Hintergrundes" (Ausgangsmaterial stammt wohl von hochzeitstypischer Billig-Kamera) mitunter stören. Kategorie "Clips" 2. Preis – Das Video spielt souverän mit dem Aufeinanderstoßen zweier Sphären, Überwasser und Unterwasser, und dem Übergang dazwischen. Dabei sind gegenständlicher Gehalt und abstrakte Qualitäten der Bilder in einem visuellen Rausch verschränkt, der durch den reduzierten, aber eindringlichen Soundtrack noch verstärkt wird. Das Video pendelt zwischen dem Verharren in einer der Sphären und dem Überschreiten bzw. Durchbrechen der Grenze zwischen beiden. Während letzteres als dramatisch, ja fast gewalttätig inszeniert ist, visuell wie im Dargestellten, scheint das Verharren leicht und ruhig – und zieht den Betrachter so in eine trügerische Gewissheit, bis er sich woanders findet, als er angenommen hatte. Das einfache Verkehren von oben und unten geht weit über ein Spiel mit optischen Täuschungen hinaus, es führt in eine schwerelos-unsichere Welt, eine Zwischenwelt von surrealer Qualität. Es gelingt dem Video, das imaginierte Dazwischen von Über- und Unterwasser (denn ein reales Dazwischen gibt es ja nicht) in seiner Unbeständigkeit und Unzuverlässigkeit auf wundersame Weise zu vermitteln. Hier wird in Bildern und auch im Ton die Vorstellung eines undeutlichen und doch möglichen Dazwischen deutlich." -:- Jury
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