UPCOMING
24.07. San Siro, Festung Traunstein
30.10. GIGUK VideoArt Festival 2010
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SAN SIRO
"SAN SIRO heißt das Fußballstadion in Mailand, obwohl es eigentlich
"Giuseppe Meazza" heißt.
SAN SIRO ist aber auch der Name des vorliegenden Projektes von Evelyn
Helbig und Wolf D. Schreiber (Klavier). Ob Fußballkunst und Klangkunst
vieles gemeinsam haben, darf ruhig bezweifelt werden. Will man dennoch
einen Vergleich, schneiden unsere Protagonisten schlecht ab; denn
während sich im SAN SIRO zweiundzwanzig Spieler ein Instrument teilen,
sind es bei SAN SIRO lediglich zwei. Gemeinsam mit nur acht Oktaven und
einem Aschenbecher geben die beiden dann allerdings ein furioses
Happening, dessen Spannweite die verschiedensten Kunstgattungen
musikalisch zu untermalen weis.
Ob Stummfilmbegleitung, Intonationen zu Lesungen, oder Klangcollagen zu den Videoarbeiten von Wolf Schreiber: Was immer sich zur Improvisation eignet wird untermalt. Das eklektische Spiel mit den Themen ist unüberhörbar Leidenschaft. Es klingt nach Salon der Zwanziger, doch das Material ist träge und widerspenstig und so vermeint man Dada zu vernehmen. Die humoresken Verdrehungen der Melodien und Themen scheinen naiv, sind aber in ihrer Art ausgeklügelt und zeugen von musikalischem Feingespür. Wäre dem nicht so, würde die oft fragile Harmonie, die für die Dynamik der Stücke mitverantwortlich ist, nicht länger tragen.
Freunde
von überraschenden Wendungen in der musikalischen Dramaturgie sind bei
der Musik von SAN SIRO ebenso gut aufgehoben, wie die Liebhaber vom
„cross over” in der Kunst schlechthin."
(Text: Dr. Arno Sann, Philosophiebüro Berlin)
San Siro versteht sein musikalisches Schaffen weder als Jazz- oder "akademische" Improvisation; wenn schon ein Genrebegriff unvermeidbar ist, trifft ArtRock am ehesten zu.
Hörbeispiele:www.wolfwerke.de/mp3/SanSiroPlayer/
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DRAUSSEN VOR DER TÜR
"Das Motiv der Fotoserie “Draussen vor der Tür” sind Objekte in
Galerien, betrachtet von außen durchs Schaufenster. Ich bereise Städte
und durchstreife die “Galerienviertel”; eine Reise zum Kunstwerk.
Dieses wird mit der Kamera aus seiner Umgebung, dem Kunstraum,
herausgerissen. Der Blickwinkel von der Straße ist oft nicht frontal,
sondern beispielsweise ein seitlicher. Diese Ansicht vermischt sich je
nach Lichtverhältnissen mit Strassenszenen in Form von Spiegelungen und
Reflexionen; die Gestaltung der Hausfassade um das Schaufenster herum
schafft einen neuen Rahmen für das Werk. Mit der Aufnahme beginnt die
Reise des Abbildes des Kunstwerkes, die mit einer Ausstellung in einem
anderen Kunstraum ihr Ziel erreicht; und gleichzeitig Motiv und Ausgang
für eine erneute Appropriation oder Reise sein könnte.
Verschiedene Aspekte sind dabei für mich interessant zu erforschen und Bestandteil dieser Arbeit. Zum einen geht es um Appropriationen; die abgebildeten Kunstwerke aus einem Blickwinkel darzustellen, für die sie nicht erschaffen wurden, der aber trotzdem Alltagsbestandteil ist. Viele Menschen werfen beim (zufälligen) Vorbeigehen nur einen flüchtigen Blick in das Schaufernster einer Galerie und betreten diese nicht. Diese Ansicht konserviere ich.
Gegenwärtig wird das Thema Copyright / Urheberrecht in allen Bereichen nicht nur der Kultur diskutiert. Meine Fotos, obwohl von der Straße aus fotografiert, fallen nicht unter die Panoramafreiheit. Also sind sie in gewisser Weise auch eine Form von Diebstahl und Piraterie. Eine Entführung aus dem Markt. Der Gesichtspunkt, die Bilder von Aussen zu betrachten, also den Marktplatz Galerie nicht zu betreten, selbst nicht am Markt teilzunehmen, kann als Kapitalismus- bzw. Kunstmarktkritik interpretiert werden.
Mit der Kamera eigne ich mir das fremde Werk an und setze es wie ein Sample in eine eigene Bildkomposition. Dieses Copy & Paste geschieht jedoch nicht auf digitalem Wege, also auch keine originalgetreue Kopie, sondern durch die Wahl des Aufnahmestadtortes und dem Blick durch das Schaufenster entsteht eine Verfremdung. Sie ist Sinnbild einer magischen Grenze zwischen öffentlichen und vermeintlich privatem Raum. Hier die Straße, auf der ich mich frei bewegen darf, dort die Galerie, die zwar als Geschäftsräumlichkeit im Rahmen ihrer Öffnungszeiten ebenso frei zugänglich ist, aber juristisch eine Privatsphäre darstellt. Das Gebäude an sich unterliegt der Panoramafreiheit, der Blick ins Innere oder auf die Schaufenstergestaltung ist ohne Genehmigung nicht gestattet fotografisch festzuhalten und zu verwerten.
Das Charakteristische der Appropriation Art ist es, fremde Werke in das eigene Werk zu integrieren, dieses erkennbar zu belassen und zu zitieren. Der Akt des Aneignens und das daraus resultierende Werk haben einen eigenständigen künstlerischen Charakter, sind also nicht einfach nur Plagiat oder Fälschung. Die Bewertung dessen kann je nach Sichtweise unterschiedlich ausfallen. Ähnlich vergleichbaren Phänomenen in der Musik, z.B. Sampling oder Covern, ist es ein Anliegen der Künstler, die Übernahme und Bearbeitung fremder Vorlagen als eigene Kunstform und Arbeitstechnik zu etablieren. Schmücke ich mich mit fremden Eigentum oder ist das fotografische Festhalten meines Blickes die dominierende Eigenschaft der Werkserie "Draussen vor der Tür"? Dies mag jeder für sich selbst beurteilen.
"Draussen vor der Tür" ist Appropriation Art.
